Ein Leben fĂĽr die Freiheit

Ein Leben fĂĽr die Freiheit

24,50 € inkl MwSt.

Die Autoren beschäftigen sich seit Langem mit dem indianischen Widerstand in Nordamerika. Entstanden ist eine Dokumentation des Schreckens, sowohl über den indianischen Widerstand als auch über das Leben von Leonard Peltier.

Leseprobe

Rezension im Coyote

Rezension im Amerindian Research

An all meine deutschsprachigen BrĂĽder und Schwestern in Europa
und anderswo:
Während ich hier in meiner Zelle sitze – „meinem Zuhause“, wie
wir es in diesem unseligen amerikanischen Gulag nennen, in
dem so viele meiner indigenen Schwestern und Brüder ein zerstörtes
Leben fristen müssen –, wirbeln mir die neuesten Nachrichten
durch den Kopf … Europa ist in Aufruhr, zig Millionen
FlĂĽchtlinge auf der Welt, gerade erst haben Menschen in Paris,
Mali, ĂĽber dem Sinai und so vielen, vielen Teilen der Welt Hunderte
von Unschuldigen getötet… Aberwitzige Bombenangriffe
von US-amerikanischen, russischen, französischen Kampffliegern,
auch sie vorwiegend auf unschuldige Menschen. Ja, bombardieren
wir die Unschuldigen! Das wird ihnen eine Lehre sein!
Meine lieben Mitmenschen – welchen Weg werden wir gehen?

  

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Rezension im Coyote 109 (FrĂĽhjahr 2016)

 

Ein starkes Plädoyer für Gerechtigkeit

„Ein Leben für die Freiheit. Leonard Peltier und der indianische Widerstand“

 

Vor 40 Jahren am 6. Februar 1976 wurde der AIM-Aktivist Leonard

Peltier verhaftet – ein trauriger Jahrestag der Unterdrückung indigener

Rechte und mangelnder Justizgerechtigkeit. Bis heute sitzt Leonard Peltier im Gefängnis –

daran erinnert nun eine ausgiebige Auseinandersetzung mit den

damaligen Vorfällen, den Hintergründen und dem mühsamen Ringen

um Gerechtigkeit: „Ein Leben für die Freiheit. Leonard Peltier

und der indianische Widerstand“ von Michael Koch und Michael

Schiffmann ist nun endlich im Traumfänger Verlag erschienen

und gibt auf ĂĽber 400 Seiten akribisch Auskunft ĂĽber ein Kapitel indianischer

Geschichte im 20. Jahrhundert, das leider bis heute nicht ĂĽberwunden ist.

Die beiden Autoren haben fast ein Jahrzehnt an dem Buch gearbeitet,

denn noch heute werden viele Details unter Verschluss gehalten,

das FBI versucht nach wie vor, die Geschichte vom kaltblĂĽtigen

Mord an zwei ihrer Beamten aufrecht zu erhalten, und auch die Justiz

ist nicht bereit, sich öffentlich zu ihren Fehlern und damit der

Missachtung des Rechts auf ein faires Verfahren zu bekennen. Was

sie verschweigen möchten, haben Michael Koch und Michael Schiffmann

genau nachrecherchiert und um die nötige Einordnung und

Analyse ergänzt. Nach der Besetzung von Wounded Knee 1973 herrschte

weiterhin das Terrorregime von Dick Wilson auf der Pine Ridge Reservation,

dem Dutzende von Aktivisten zum Opfer fielen. Doch auch der Widerstand

ging weiter, und AIM versuchte den Lakota gegen die Ăśbergriffe beizustehen.

In dieser aufgeheizten Atmosphäre kam es am 26. Juni 1975 zu einem

Schusswechsel auf dem Gelände der Jumping Bull Familie – zwei

FBI-Leute und der AIM-Aktivist Joe Stuntz kamen dabei ums Leben.

Sofort wurden wĂĽste Geschichten von FBI, BIA und der Lakota-Regierung

konstruiert. Die Suche nach den Tätern konzentrierte sich auf Leonard Peltier,

Bob Robideau und Dino Butler. Peltier floh nach Kanada, Robideau und Butler

wurden verhaftet, vor Gericht gestellt und freigesprochen. Auch Peltier

wurde verhaftet und rechtswidrig von Kanada an die USA

ausgeliefert, wo ihm der Prozess gemacht wurde. Zwei Tote FBILeute

sollten nun endlich „gesühnt“ werden. Mit Falschaussagen,

unterdrĂĽckten Beweisen und ZeugeneinschĂĽchterungen konnte

man nun endlich einen Täter – korrekter: Sündenbock – präsentieren.

Leonard Peltier wurde 1977 zu zwei Mal lebenslanger Haft verurteilt.

Ungeachtet der längst widerrufenen Zeugenaussagen, Eingeständnissen

des damaligenStaatsanwalts von einem politischen

Prozess und der Aufdeckung der FBI-Propaganda wurden alle

Berufungsverfahren bislang abgeschmettert. Die nächste Möglichkeit

zu einer neuen Anhörung besteht erst 2024.

Leonard Peltier hat stets seine Unschuld beteuert. Doch im Grunde

ist diese Frage schon längst nicht mehr im Zentrum der Debatte,

denn es geht um die Machenschaften von Polizei, FBI, Justiz

und Politik, die diesen Fall in besonderer Weise prägen und das

Ergebnis Jahrhunderte langer UnterdrĂĽckungspolitik

GegenĂĽber den Indigenen sind. So spannen die Autoren einen weiten Bogen

zurück zu den Anfängen des Kolonialismus und zeigen die verhängnisvolle

Politik der USA auf, die zu Entrechtung, Vertreibung und auch Ausrottung der Indigenen

fĂĽhrte und deren Auswirkungen noch heute zu spĂĽren sind.

Nur vor diesem Hintergrund lassen sich die heutige Situation der

Indigenen und vor allem auch der Widerstand verstehen, der zu einem weiten Teil von AIM getragen wurde.

FĂĽr Leonard Peltier war AIM die Antwort auf viele Fragen. Die Autoren

skizzieren seinen biografischen Werdegang und die Entwicklung

des indianischen Widerstands, bevor sie sich dann ausfĂĽhrlich

mit dem Zwischenfall bei Oglala im Juni 1976 auseinandersetzen.

Besonders detailreich schildern sie die nachfolgende Verhaftung, die

Verfahren und Gerichtsprozesse sowie die Jahre in der Haft und das

vergebliche BemĂĽhen um Gerechtigkeit.

Leonard Peltier (Lakota/Anishinabe) wurde am 12. September

1944 in North Dakota geboren. Den GroĂźteil seines Lebens hat er

in Haft verbracht. Längst ist er ein kranker, alter Mann, der u.a. an

Diabetes und Sehstörungen leidet, doch er ist ungebrochen und gilt

vielen als Inbegriff des indianischen Widerstands. Selbst die vielen

Übergriffe und Schikanen in der Haft konnten daran nichts ändern.

Aktivisten in aller Welt fordern seit vielen Jahren seine Begnadigung

– bislang vergeblich. Sowohl Bill Clinton wie auch

George W. Bush haben sich geweigert,von ihrem präsidentiellen

Recht Gebrauch zu machen und Peltier zu begnadigen. Wer immer

die Präsidentschaftswahl 2016 gewinnt, ob Hillary Clinton oder

Donald Trump, wird kaum Peltier endlich in Freiheit entlassen Die

einzige (allerdings schwache) Hoffnung setzen Peltiers UnterstĂĽtzer

in Barack Obama. Als letzten Akt fĂĽr die GeschichtsbĂĽcher

könnte er endlich Peltier ermöglichen, die letzten Jahre im Kreis

seiner Familie und Freunde zu verbringen.

DafĂĽr setzen sich auch die Autoren ein. Michael Schiffmann hat

sich insbesondere fĂĽr Mumia Abu-Jamal, politische Gefangene in den

USA und gegen die Todesstrafe engagiert. Michael Koch organisiert

im Rahmen des Vereins Tokata- LPSG RheinMain, der auch

Herausgeber des Buches ist, Kampagnen fĂĽr Peltier und Mumia Abu

Jamal. Seit Jahren veranstaltet der Verein zudem Konzerte von indigenen

Musikern und deutsch-indianische Jugendprojekte.

Dem Traumfänger Verlag ist zu danken, dass er dieses längst überfällige

Werk verlegt hat. Freundlicherweise haben auch Claus Biegert

(„I Am the Indian Voice“) sowie David Mueller und Lynn Salt

(„A Good Day to Die“) ihre Filme zur Verfügung gestellt, die sich zusammen

mit der Kampagne des Human Rights Action Centre („I Will – Leonard Peltier Clemency

Campaign“) auf einer beigefügten CD finden. Der Anhang enthält

zudem zahlreiche Dokumente, Interviews und vor allem Photos.

Das GruĂźwort von Leonard Peltier ist dem Buch vorangestellt und

erinnert daran, worum es beim indianischen Widerstand geht: „Mitakuye

Oyasin“ – wir sind mit allen verwandt. (Monika Seiller)

Rezension aus "Amerindian Research" 2/ 2016 Nr 40

 

Mit großem Engagement hat der TraumFänger Verlag das Erscheinen dieses lange geplanten Buches ermöglicht. Die Autoren und der Verein Tokata-LPSG RheinMain e.V. hatten lange mit einem anderen Verlag geplant, der dieses Projekt dann aber nicht mehr stemmen konnte. Der TraumFänger Verlag, der sich schon immer für die Belange der nordamerikanischen Ureinwohner stark gemacht hat, übernahm das Projekt kurzfristig und schaffte es mit viel Arbeit, dieses wichtige Buch zur Frühjahrs-Buchmesse in Leipzig zu präsentieren.
Denn noch lebt Peltier, wenn auch sehr krank, im Gefängnis und er braucht Unterstützung. Dazu ist dieses Buch gedacht. Seit Jahren haben sich die beiden Verfasser intensiv um die Thematik gekümmert. Sie machen keinen Hehl aus ihrer Unterstützung für den seit dem 6. Februar 1976 inhaftierten AIM-Aktivisten Peltier (AIM steht hier für das American Indian Movement, eine Organisation für den indianischen Widerstand in den USA).
Wer sich mit der Geschichte ein wenig auskennt, der weiß, das Peltier polarisiert. Er hat viele Unterstützer ' aber auch viele Gegner. Leider kommt im vorliegenden Buch nur die Unterstützer-Seite zum Tragen, etwas mehr Objektivität hätte dem Projekt sehr gut getan. Denn heute weiß man um die kontroverse Rolle des AIM und die Tatsache, dass Vertreter des AIM heute auf den Reservationen nicht immer gern gesehen sind, spricht für sich. Trotz allem ist dieses Buch eine hervorragende Arbeit. Die Autoren haben die Geschichte Peltiers akribisch aufbereitet und belegen einen langen Zeitraum auch mit mittlerweile zugänglichen Dokumenten. Auf knapp einhundert Seiten Anhang sind Erklärungen von Peltier, ein Interview mit Delaney Bruce und eines mit Dennis Banks sowie eine ausführliche Zeittafel zugänglich.
Der umfangreiche Textteil beschreibt die politische Situation in den USA in Bezug auf die indianische Bevölkerung, die Entwicklung des American Indian Movement (AIM), Leonard Peltiers Lebensweg, die Entwicklung der Pine Ridge Reservation, den tragischen Vorfall bei Oglala (für den Peltier letzten Endes ins Gefängnis kam) sowie die Verfahren, die Urteilsverkündung und die Haftzeit.
Die beiden Autoren Michael Koch und Michael Schiffmann haben alle Fakten sehr akribisch zusammengetragen und präsentieren eine umfangreiche Darstellung der Ereignisse und eben auch die Vorgeschichte und das politische Umfeld. Ein umfangreicher Abbildungsteil illustriert das Geschriebene.
Die dem Buch vom Verein beigelegte DVD enthält 3 Filme: 'I am the Indian Voice' von Claus Biegert, 'A good day to die' von David Mueller und Lynn Salt sowie 'I will' ' Leonard Peltier Clemency Campaign, die Teile 4b und 6 vom Human Rights Action Centre Washington. Diese zeigen eindrücklich, was schon im Textteil des Buches zum Tragen kommt: die Idee, Leonard Peltier aus dem Gefängnis zu befreien. Bei allem Pro und Contra darf Eines nicht vergessen werden: die Situation auf Pine Ridge zum Zeitpunkt des Mordes an den beiden FBI-Agenten wurde auch durch die rigide Indianerpolitik der US-Regierung begünstigt. Die Verantwortung allein Peltier anzulasten ist wie ein Schuldeingeständnis der US-amerikanischen Indianerpolitik.

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